Wer im Hochsommer in den Gemüsegarten schaut und auf einmal braune, ledrige Flecken an seinen Tomaten entdeckt, erschrickt oft erstmal. Ein Pilz? Eine Krankheit? Die gute Nachricht ist, dass Blütenendfäule weder das eine noch das andere ist. Sie ist eine physiologische Störung, die gut behandelbar ist, wenn man weiß, womit man es zu tun hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Blütenendfäule ist keine Krankheit, sondern eine physiologische Störung durch Kalziummangel in der Frucht, meist verursacht durch gestörten Kalziumtransport.
- Blütenendfäule betrifft Tomaten, Paprika und Zucchini. Besonders anfällig sind großfrüchtige Tomatensorten, Cocktail- und Cherrytomaten dagegen seltener.
- Blütenendfäule verursacht braune, eingesunkene Stellen am Fruchtende. Bei Kraut- und Braunfäule werden dagegen auch Blätter und Stängel braun.
- Gieße gleichmäßig, mulche den Boden und halte bei Tomaten einen pH-Wert von 6,0 bis 6,5, um Blütenendfäule vorzubeugen.
- Bei akutem Befall entfernst du geschädigte Früchte und nutzt wöchentlich Algenkalk, Urgesteinsmehl oder kalziumhaltigen Blattdünger. Bestehende Schäden sind nicht rückgängig zu machen.
Was ist Blütenendfäule?
Blütenendfäule ist keine Krankheit, sondern eine physiologische Störung. Sie wird durch einen Mangel an Kalzium in der Frucht selbst verursacht.
Das klingt zunächst paradox, denn in den meisten Gartenböden ist genug Kalzium vorhanden. Das Problem liegt darin, dass die Pflanze den Nährstoff oft nicht richtig transportieren kann. Kalzium wird über den Transpirationsstrom von den Wurzeln in die Früchte geleitet. Dieser Strom kann durch verschiedene äußere Faktoren gestört werden.
Welche Pflanzen sind betroffen?
Neben der Tomate können auch Zucchini und Paprika unter der Blütenendfäule leiden. Bei allen dreien zeigt sich dasselbe Erscheinungsbild in Form von kleinen schwarzen Punkten am Blütenansatz, die sich zu wässrigen Faulstellen entwickeln. Auch Chili und Auberginen können die Symptome zeigen. Bei Tomaten sind großfrüchtige Sorten wie Ochsenherz, Roma- oder Flaschentomaten besonders anfällig, während Cocktail- und Cherrytomaten seltener betroffen sind.

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Blütenendfäule erkennen: So sehen die Symptome aus
Blütenendfäule zeigt sich zunächst durch wässrige Flecken an der Unterseite der Früchte, die nach und nach größer und braun werden. Das Gewebe sinkt ein, wird ledrig und dunkelbraun. Zunächst sind diese Stellen noch weich, später fallen sie ein, vertrocknen und werden hart.
Die Blätter der Pflanze selbst zeigen meist keine Symptome von Nährstoffmangel und sehen gesund aus. Die Blütenendfäule betrifft nur die Früchte. Die Symptome treten oft zuerst an den untersten Früchten einer Rispe auf und können sich dann auf weitere ausbreiten. Nicht alle Früchte einer Pflanze müssen gleichzeitig betroffen sein.
Blütenendfäule oder Kraut- und Braunfäule? Der wichtigste Unterschied
Braune Flecken an Tomaten sind nicht automatisch Blütenendfäule, und die Verwechslung mit der Kraut- und Braunfäule ist häufig. Dabei sind die beiden Probleme grundverschieden, sowohl in ihrer Ursache als auch in ihrer Behandlung.
Die Kraut- und Braunfäule tritt häufig bei feuchter Witterung auf und wird durch die Sporen eines Pilzes verursacht, befällt jedoch zunächst Blätter und Stängel und erst später die Tomatenfrüchte selbst.
Sehen Blätter und Stängel gesund aus und der Schaden sitzt nur unten an der Frucht, spricht alles für Blütenendfäule. Werden Blätter, Stängel und Früchte bei feuchtem Wetter schnell braun, solltest du an Kraut- und Braunfäule denken.
Was ist die Ursache für Blütenendfäule?
Die Hauptursache der Blütenendfäule ist ein Kalziummangel in der Frucht, der durch verschiedene Faktoren verstärkt werden kann. So kann beispielsweise eine ungleichmäßige Bewässerung die Kalziumaufnahme der Pflanzen beeinträchtigen. Übermäßiger Stickstoffdünger fördert das Wachstum der Blätter auf Kosten der Fruchtentwicklung, was zu einem Kalziummangel führen kann. Ein pH-Wert außerhalb des günstigen Bereichs von 6,0 bis 9,0 oder eine zu geringe Kalziumkonzentration im Boden können das Problem verschärfen. Wurzelbeschädigungen durch mechanische Einflüsse oder Schädlinge können ebenfalls die Nährstoffaufnahme stören.
Auch ein Ungleichgewicht von anderen Nährstoffen kann einen Kalziummangel verursachen. Eine hohe Konzentration an Kalium, Magnesium, Eisen, Bor, Mangan oder Phosphor kann die Kalziumaufnahme behindern. Welche Nährstoffe sich gegenseitig hemmen und welche sich fördern, erfährst du in unserem Beitrag zur Pflanzenverfügbarkeit.
Dazu kommt ein anatomischer Grund, denn Blätter verdunsten viel Wasser und bekommen damit bevorzugt den Wasserstrom und somit auch das Kalzium. Früchte verdunsten dagegen wenig und werden bei Engpässen schlechter versorgt.
Blütenendfäule bekämpfen: Was wirklich hilft
Ist die Blütenendfäule einmal sichtbar, lässt sich der Schaden an den betroffenen Früchten leider nicht mehr rückgängig machen. Aber du kannst verhindern, dass weitere Früchte betroffen werden.
Der wichtigste Schritt ist eine gleichmäßige Bewässerung. Schwankende Bodenfeuchtigkeit ist einer der häufigsten Auslöser, denn wer mal zu wenig und dann plötzlich viel gießt, riskiert, dass der Kalziumtransport ins Stocken gerät. Zusätzlich hilft eine Mulchschicht rund um die Pflanzen, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und Verdunstung zu reduzieren.
Selbst wenn es schmerzt, sollten auch unreife, mit Blütenendfäule befallene Früchte vom Strauch entfernt werden. Je weniger Früchte die Pflanze mit Kalzium versorgen muss, desto weniger Mangelerscheinungen treten insgesamt auf.
Wer den Boden schnell mit Kalzium anreichern möchte, kann zusätzlich zu einer Blattdüngung mit kalziumhaltigem Dünger oder Bodenhilfstoff greifen. Bei akutem Befall sollte wöchentlich Algenkalk, Urgesteinsmehl oder kalziumhaltiger Blattdünger genutzt werden.
Kann man befallene Früchte noch essen?
Ja, zumindest zum Teil. Nach der Behandlung mit Kalzium verkorkt das Gewebe. Die betroffene Stelle kann großzügig entfernt werden und der restliche Teil der Tomate ist in der Regel unbedenklich essbar, solange kein Schimmel oder Fäulnis sichtbar ist. Da die mit Blütenendfäule befallene Frucht keine bakteriellen oder pilzbedingten Erreger enthält, kann sie problemlos auf dem Kompost landen.
So schützt du deine Pflanzen vor Blütenendfäule
Die beste Maßnahme gegen Blütenendfäule ist Vorbeugung. Das A und O ist gleichmäßiges Gießen. Gerade in Hitzeperioden oder bei Topfkulturen trocknet der Boden schnell aus, weshalb regelmäßiges, kontrolliertes Gießen besonders wichtig ist. Eine Mulchschicht aus Stroh oder Rasenschnitt hilft dabei, die Feuchtigkeit im Boden zu halten.
Ebenfalls sinnvoll ist es, den Boden auf seinen pH-Wert zu prüfen. Hat er einen zu niedrigen pH-Wert, kann das die Kalziumaufnahme erschweren. Der optimale Bereich für Tomaten und Co. liegt zwischen 6,0 und 6,5. Ist der Boden zu sauer, kann er mit Diabas Urgesteinsmehl gepuffert werden.
Stickstoffreichen Dünger sollte man außerdem sparsam einsetzen, da zu viel Stickstoff das vegetative Wachstum ankurbelt und die Kalziumversorgung der Früchte verschlechtert. Ein ausgewogener Dünger oder noch besser die Kombination aus Dünger und Bodenhilfsstoff ist immer besser als ein einseitig stickstofflastiger. So hat sich eine kombinierte Versorgung mit Makronährstoffen (Stickstoff, Phosphor, Kalium) und Mikronährstoffen (Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Molybdän, Bor) bewährt. Während Makronährstoffe zum Beispiel über Pflanzenjauche, Vinasse, Schafwolldünger, Kompost, Hornspäne zugeführt werden können, liefert Urgesteinsmehl eine breite Palette an wichtigen Mikronährstoffen und viel Kalzium.
Fazit
Blütenendfäule klingt schlimmer als sie ist. Sie ist kein Pilz, keine Krankheit und kein Grund zur Panik, sondern ein Signal deiner Pflanzen, dass etwas mit der Kalziumversorgung nicht stimmt. Wer gleichmäßig gießt, auf ausgewogene Düngung achtet und den Boden mit Urgesteinsmehl langfristig aufwertet, kann das Problem gut in den Griff bekommen und vorbeugen.






















